Marseille I

09/12/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Das Zauberwort der deutschen Erasmusstudenten ist Marseille. Andere Zauberwörter lauten: Lebkuchen, Tatort, deutsches Bier und „Ich habe regelmäßigen Kontakt mit Franzosen“.

In Marseille geht es auf und ab. In Marseille blendet die Sonne. In Marseille gibt es Schatten. In Marseille esse ich Unmengen von arabischem Gebäck, schaue schwedische Komödien und spreche in Pluralitäten. In Marseille bin ich wie die Katze ihres Nachbarns, die in Marseille ein- und ausgeht, ins oder aus dem kleinen Haus des Nachbarns, das in der kurzen Straße untergeht, d.h. ich bin daran vorbeigelaufen, aber das ist farblich bedingt.

Wo ich bin, ist Dreck. Den ich liebe, denn ich bin in Marseille. Die Sonne ist mein Eldorado und der wolkenlose Himmel mein bonheur. Ich möchte all die dreckigen Fassaden fotografieren, die mich umgeben, mich überall auf dreckigen Boden setzen und Zypressen oder Palmen, Möwen und Hundehaufen sehen (Hunde sah ich selten), mich in die dreckigen Winkel der Stadt verlaufen und die einzige Frau weit und breit sein, die keinen Freier sucht (was mir passiert ist).

Möwen am Vieux Port. Foto von mir.

Möwen am Vieux Port. Foto von mir.

Weihnachten passt nicht nach Marseille, die chalets des marché de Noël stehen am Vieux Port, dem Meer abgewandt. Sie wirken wie kleine Fischerhäuschen, die Möwen warten auf churros. Marseille ist keine Winterstadt. Die Häuser fallen südlich und wirken beige. Ich glaube auch nicht an die Kälte und rede vom Mistral, als sei er ein Mythos.

Auf dem Weg zur Vieille Charité gerate ich in ein Labyrinth aus norditalienischen Hangstraßen (ich denke an Genua), in denen stellenweise Haufen – bestehend aus Kindern, Schulranzen und Eltern – die Straße blockieren. Die Haufen telefonieren, suchen ihre Kinder oder einen Lehrer und haben Zeit (ich denke an Genua). Zweimal passiere ich die Haufen, denn ich freue mich, an Genua gedacht zu haben.

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