C’est Amiens

12/03/2014 § Hinterlasse einen Kommentar

…sogar in Amiens hat man jetzt ein ‚Happy‘-Video gedreht:

 

Advertisements

Marseille I

09/12/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Das Zauberwort der deutschen Erasmusstudenten ist Marseille. Andere Zauberwörter lauten: Lebkuchen, Tatort, deutsches Bier und „Ich habe regelmäßigen Kontakt mit Franzosen“.

In Marseille geht es auf und ab. In Marseille blendet die Sonne. In Marseille gibt es Schatten. In Marseille esse ich Unmengen von arabischem Gebäck, schaue schwedische Komödien und spreche in Pluralitäten. In Marseille bin ich wie die Katze ihres Nachbarns, die in Marseille ein- und ausgeht, ins oder aus dem kleinen Haus des Nachbarns, das in der kurzen Straße untergeht, d.h. ich bin daran vorbeigelaufen, aber das ist farblich bedingt.

Wo ich bin, ist Dreck. Den ich liebe, denn ich bin in Marseille. Die Sonne ist mein Eldorado und der wolkenlose Himmel mein bonheur. Ich möchte all die dreckigen Fassaden fotografieren, die mich umgeben, mich überall auf dreckigen Boden setzen und Zypressen oder Palmen, Möwen und Hundehaufen sehen (Hunde sah ich selten), mich in die dreckigen Winkel der Stadt verlaufen und die einzige Frau weit und breit sein, die keinen Freier sucht (was mir passiert ist).

Möwen am Vieux Port. Foto von mir.

Möwen am Vieux Port. Foto von mir.

Weihnachten passt nicht nach Marseille, die chalets des marché de Noël stehen am Vieux Port, dem Meer abgewandt. Sie wirken wie kleine Fischerhäuschen, die Möwen warten auf churros. Marseille ist keine Winterstadt. Die Häuser fallen südlich und wirken beige. Ich glaube auch nicht an die Kälte und rede vom Mistral, als sei er ein Mythos.

Auf dem Weg zur Vieille Charité gerate ich in ein Labyrinth aus norditalienischen Hangstraßen (ich denke an Genua), in denen stellenweise Haufen – bestehend aus Kindern, Schulranzen und Eltern – die Straße blockieren. Die Haufen telefonieren, suchen ihre Kinder oder einen Lehrer und haben Zeit (ich denke an Genua). Zweimal passiere ich die Haufen, denn ich freue mich, an Genua gedacht zu haben.

Époque de Noël

25/11/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Australien ist da. Australische Flaggen verkleiden die Innenstadt, Menschen in blauen Uniformen und auf hohen Rössern begleiten eine australische Sonntagsparade. Wir kommen zum Schluss. Der Weihnachtsmarkt (Marché de Noël) hat – neben einem Großaufgebot an blinkenden Lichterketten in allen Formen und Farben – also auch ein Motto. Aus den öffentlichen Lautsprechern tönen amerikanische Christmashits (am beliebtesten: Jingle Bell Rock von Bobby Helms). Ein wenig befremdlich ist das schon, denn manchmal geht die Musik im Stimmengewirr der Menschen, die durch die Straßen eilen/trotten/stampfen, unter und dann biegt man in die nächste Straße ein und ist plötzlich allein mit sich und den Häusern – und dem rockenden Bobby Helms.

Luchs im Schnee hinter Glasscheiben. Foto von mir.

Luchs im Schnee hinter Glasscheiben. Foto von mir.

Die roten chalets (Stände) ziehen sich durch die gesamte Einkaufspassage. Am Bahnhof eröffnet ein Riesenrad (das ziemlich klein ausfällt neben dem Tour Perret [104m]) für die Bahnreisenden den Weihnachtsmarkt. Es steht zwischen zwei Häuserreihen mitten auf dem Startpunkt des Fußgängerweges, der in die Innenstadt führt. Das Riesenrad wirkt deplatziert. Es versperrt die Sicht auf Kriegsdenkmäler und Schnellimbisse. Eine Fahrt kostet 4 Euro. Man würde den Bahnhof sehen können, von halb oben oder die Einkaufspassage bis zum Maison de la Culture und ein bisschen was von der Kathedrale. Sollte man sich gerade nicht auf dem Zenit des Rades befinden, so könnte man rechts und links aus der Gondel schauen, dann sähe man die Hauptstraße, die nachts wildblau blinkt (Richtung Hortillonages) oder im Dunkeln verschwindet (Richtung Cirque du Jules Verne). Oder man sähe in die Zimmer des Hotels neben dem Riesenrad, in die Büros der Bankberater der Caisse d’Epargne oder in die ersten Etagen des Tour Perret. Aber auch nur bis 19h30. Dann schließt der Marché de Noël seine chalets und sein Riesenrad.

Riesenrad tagsüber. Foto von mir.

Riesenrad tagsüber. Foto von mir.

Im Centre Commercial Sud grassiert die Weihnachtsmanie. Schneekugeln in Neonfarben sind in. Die Spielwarenabteilung ist in Filles, Garçons und Music unterteilt. Auf der einen Seite beugen sich Eltern über Feuerwehrwagen und streiten über Preise, auf der anderen Seite sitzen die Söhne auf dem Boden und ziehen mit großen Augen Dinosaurier, Plastikgewehre und Bagger aus den Regalen. In der rosafarbenen Abteilung gehen Mütter mit ihren Töchtern einträchtig von Kinderwagen zu Miniküchen.

In der Wurstwarenecke höre ich deutsche Schlager. Ein bisschen Spaß muss sein und Über den Wolken. Ich folge der Musik und lande vor einem Sauerkraut-Stand. Dahinter steht ein Mann, der wohl Metzger gelernt hat und unglücklich auf seine riesige Wokpfanne mit Sauerkraut und Würstchen starrt. Ein Mädchen mit einem ziehbaren Plastikeinkaufskorb läuft an mir vorbei. Sie hat eine Flasche Jack Daniels im Körbchen liegen, und Kinderriegel.

Weihnachtsbeleuchtung Riesenrad. Foto von mir.

Weihnachtsbeleuchtung Riesenrad. Foto von mir.

Am Abend sehe ich mir die zwei neuen Teile der „Heimat“-Reihe von Edgar Reitz an. Ein radikales Runterbrechen ins Graue. Im Kino sitzen ein paar Deutsche, die sich über den hunsrück’schen Dialekt mit französischer Einfärbung freuen (Jetzt mach mo kee Fissimatente hie! / Ei der wohnt do visavis / Isch heeße Liberté). Insgeheim freue ich mich auch. Darüber und über den holprigen französischen Untertitel. Ein älterer Mann in der Reihe vor mir kann das nicht nachvollziehen, er schnarcht. In der Nacht gehe ich zum Bus. Bobby ist verstummt, die Lichter gehören mir.

Edit: Habe in einer früheren Version Australien mit Kanada verwechselt. Das kommt bestimmt öfter vor. Vor allem, wenn es auf dem australischen Motto-Weihnachtsmarkt einen kanadischen Stand gibt, der Ahornsirup am Stiel verkauft.

Ce n’est pas un domaine très vaste

20/11/2013 § Ein Kommentar

Ein Marienkäfer lebt bei mir. Er muss einer dieser eingewanderten Käfer sein, auf dem Buckel ist er fast schwarz. Ich kann ihn verstehen, ich lasse Krümel liegen und Wasserpfützen. Gestern wollte er sein wie ich. Das habe ich nicht gemerkt. Er saß auf dem Stuhl und dann saß ich da auch. Seitdem bewegt er sich nur noch langsam. Die Krümel vor ihm hat er nicht angerührt. Ich glaube, die Japaner nennen das Karōshi (Tod durch Überarbeiten). Vielleicht will er aber nur einen langen Inemuri machen (jap. anwesend sein und schlafen). Ich hoffe, es endet nicht mit einem Harakiri (rituelle Selbstötung durch Messer in Bauch, Ursprung: Japan, Begriff wird eher in Europa gebraucht).

Andere Faszination, die sich gerade bei mir auf tut: Sammeln von deutsch-französischen Literaturzitaten.
Bsp: „Das ist ein zu weites Feld“ – „C’est un domaine très vaste“ (Effi Briest)

Im Sprachkurs suchen wir Objekte. Bei briquet (Feuerzeug) sind die Raucher am schnellsten.

In der Wohnheimküche feiern wir Geburtstag bis die Hausverwaltung kommt.

Eine Erfurterin macht mir die Krämerbrücke schmackhaft. Ich kann nicht anders, ich muss an die Brücke in „Das Parfüm“ von Patrick Süßkind denken.

Eine Portugiesin spricht von Porto und der Buchhandlung Lello.

Eine Tschechin erzählt von Prag.

Abends schaue ich in das Wolkenmaul am Horizont. Nur der asiatische Marienkäfer kann mein Lächeln sehen. Kein Feld ist zu weit. Nicht für mich.

La politique, c’est quoi?

17/11/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Merci Hollande - Protestplakate an der Fassade des ehemaligen Studentenwohnheims Bailly.

Merci Hollande – Protestplakate an der Fassade des ehemaligen Studentenwohnheims Bailly. Foto von mir.

Wenn mich jemand fragen würde, ob ich politisch sei, ich wüsste nicht, was antworten. Mit Politik kenne ich mich nicht aus? Ich bin überparteilich? Ich entscheide nach Outfit und Ironiegehalt des jeweiligen Politikers? Vielleicht würde ich meine Anrufbeantworterstimme benutzen und sagen: Zur Zeit bin ich politisch nicht ausreichend informiert.

Zur Zeit entspricht das der Wahrheit. Seit ich in Frankreich bin, lebe ich in einer nachrichtenfreien Zone (ausgenommen die Schlagzeilenkracher des Courrier Picard am Eingang der supermarchés oder der tabacs). Jede Woche lese ich in einer mindestens zwei Tage alten Ausgabe der Le Monde über die Themen des Feuilletons (die Unibibliothek hat es nicht so mit Aktualität; meine Vermutung: die Bibliotheksmitarbeiter lesen erst mal alle nacheinander die aktuellen Zeitungen [oder halten sie einfach zurück, ungelesen!] und legen sie dann nach zwei Tagen in die Zeitungsauslage im Lesesaal, der eigentlich als Arbeitssaal genutzt wird – in der Regel interessieren sich nämlich nur auf Ruhe bedachte, strenge, ältere Männer und ich mich für die Zeitungen und Zeitschriften in der Mitte des teppichüberzogenen, knarrenden Holzbodenraumes, der nur vier Steckdosen, aber mindestens zehn Arbeitstische vorweisen kann). Danach blättere ich meistens durch die letzte (und nicht mehr aktuelle) Ausgabe des Le Nouvel Observateur (Feuilleton, Gesellschaft). Und danach bin ich für französische Schriftsprache nicht mehr aufnahmefähig. Bis zum Politikteil reicht es deshalb nie. Die deutschen Nachrichtenportale klicke ich nur sporadisch durch. Und meistens lahmt die kindergesicherte Internetverbindung des Wohnheimes, wenn ich bei SPON auf die Rubrik „Politik“ klicken will.

Über Politik spricht man nicht. Ist ja auch beim Smalltalk jetzt nicht so erwünscht, und ich will ja alles gut machen, gut und richtig und alle mich umgebenden Franzosen auf einem gesunden Smalltalklevel halten. Ist ja auch das einzige Level, das ich auf französisch beherrsche. Also entdecke ich Politisches, wenn ich spazieren gehe. Wie die Plakate an der Fassade der ehemaligen Résidence du Bailly. Auf rotem Grund, in weißer Schrift steht da: ÉTUDIANT aujourd’hui, CHÔMEUR demain, RETRAITE jamais – MERCI HOLLANDE (frei übersetzt: Student heute, Arbeitsloser morgen, Rente nie – Danke Hollande). Dass die Franzosen unzufrieden mit ihrem Pépé (Opa) sind, weiß ich noch aus meiner nachrichtlich halbwegs informierten Zeit (sprich: vor Frankreich) und aus einem faz-Artikel, den ich Ende Oktober mal aufgerufen habe.

Dass hier in Amiens noch nicht gestreikt wurde – zumindest hat der Courrier Picard noch nicht damit in den supermarchés und tabacs getitelt – wo doch alle in Frankreich gerade streiken sollen (hab ich gehört), ist mir allerdings ein Rätsel. Oder dass man sich hier irgendwie nicht so Gedanken über Privatsphäre machen will. Dass es Ende November Hygiene- und Sicherheitskontrollen („CONTROLE D’HYGIENE ET DE SECURITE – VISITE DES CHAMBRES“) in meinem Wohnheim geben wird, das den Mitarbeitern der Résidence erlaubt, in die Studentenzimmer zu gehen, auch wenn die Studenten nicht da sind und dieses „Routineverfahren“ angeblich in irgendeiner Ordnung des Hauses stünde, findet auch niemand bestreikenswert. Vielleicht sollte ich die Smalltalkregeln brechen. Und eine Petition starten. Das soll hier habtitude sein, habe ich gehört.

Edit: Gewerkschaftsmitglieder von Goodyear in Amiens Nord blockieren seit Montagmorgen (18/11) den Zugang zum Werk und zünden Reifen an.

Le pré humide et le trottoir

10/11/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Assoziative Notizen:

Nach einer Woche Regen scheint die Sonne (an einem Sonntag – konsequent, die Picardie). Zur Feier des Tages gönne ich mir ein weichgekochtes Ei zu Beatles-Remastered-Musik. Ich glaube, Bussarde am blendend-blitzenden Himmel zu sehen. Oder sehr große Fledermäuse. Die Erde ist flach und bald tragen die Bäume keine Blätter mehr. Naturdichter verstehe ich immer noch nicht, aber mittlerweile kann ich ihre Faszination für Landschaften, Winde und Wolkenformationen nachvollziehen.

Die Logistik-Pläne der Stadt Amiens verstehe ich ebenfalls nicht, es amüsiert mich aber jedes Mal aufs Neue, wenn irgendwo – scheinbar willkürlich – ein Straßenabschnitt oder ein Loch ins Trottoir gebohrt wird, obwohl es keine sichtbaren Makel gibt. Die Baustellen bestehen meist eine Woche, dann sieht alles aus wie vorher. Selbst Unebenheiten bleiben bestehen. Folgt man dem Busweg zum Campus, landet man plötzlich im Gras. Das Trottoir hört einfach auf zu existieren, es geht nahtlos über in feuchte Wiese (le pré humide), die viel zu perfekt und viel zu grün ist, als dass sie natürlich gewachsen sein kann. Auf dieser Wiese gibt es eine Bushaltestelle und ein Zebrastreifen schlängelt sich aus der Wiese hinaus auf die Straße. Ein paar Meter weiter rechts entsteht ein Neubaugebiet hinter einem Quick Restaurant mit einem scifi-portalhaften Drive-in und vor leerstehenden Studentenwohnheimen der alten Résidence du Bailly, die eins zu eins einige Meter weiter wieder aufgebaut wurden. Die verwaisten Gebäude haben zerstörte Fenster, Graffiti und Einschusslöcher im Inneren. Bauzäune riegeln den Zugang ab, man kommt trotzdem rein. Alle paar Wochen ist die Feuerwehr da. Ob zur Übung oder zum Einsatz – ich kann es nicht sagen. Irgendjemand hat das Gerücht in die Welt gesetzt, es gäbe ab und an illegale Studentenpartys in den sicherlich asbest-getränkten Anlagen, bislang habe ich aber nur Schatten von verfilzt aussehenden Männern gesehen. Gestern Nacht hörte ich Reste von Techno-Musik. Es könnte aber auch aus dem bewohnten Gebäude nebendran gekommen sein.

Samstagsnachts ist in der Gegend um den Campus und den Studentenwohnheimen niemand auf der Straße. Die einheimischen Studenten sind bei ihren Familien, die ausländischen Studenten sind in der Stadt (mit 80%iger Wahrscheinlichkeit in der Baobar unterhalb der Kathedrale) oder halten sich in den Foyers ihrer Wohnheime auf, waschen Wäsche oder quetschen sich zu fünft oder zu sechst in ihre 9-Quadratmeter-Zimmer. Nur zum Rauchen gehen sie vor die Tür.

Der Mainzer erzählt, eine Französin habe ihm versichert, Amiens sei eine der teuersten Städte in Frankreich. Wenn wir ausgehen, nippen wir an unseren 5€-Bieren, meistens belgischen Ursprungs.

Ausstellungseröffnung zum Filmfestival im Maison de la Culture mit Elektro-DJ, Stars und Wein.

Ausstellungseröffnung während des Filmfestivals im Maison de la Culture mit Elektro-DJ, Bidern von Filmstars und Wein. Foto von mir.

Zur Zeit findet das 33. Festival du Film d’Amiens statt. Neben den Wettbewerbsfilmen (Lang-, Mittellang- und Kurzfilme) gibt es eine Woche lang jede Menge Retrospektiven (bisher gesehen: Wild Boys of the Road (USA, 1933) und Outsiders (USA, 1983)). Im Maison de la Culture, dem Festivalzentrum, fühle ich mich zu Hause. An der Theke steht ein Festivalmitarbeiter mit Glatze, spitzer Nase, weißem Russenbart und ärmellosem Shirt. Er wird von einer blauen Neonlichterkette gerahmt, die ober- und unterhalb der Theke angebracht ist. Links hinter ihm wärmt eine Tischlampe mit breitem Lampenschirm sein Gesicht, rechts hinter ihm lächelt Morgen Freeman auf einem Poster. Er hat Sirup da und mischt ihn mit Soda. Es sprudelt. Ich trinke gerne. In den roten Sofas um die Theke herum kann man für Stunden versinken und diesen wunderbaren cinéphilen Menschen, die so sehr meiner Vorstellung von Pariser Intellektuellentum und vornehmer Lässigkeit entsprechen, zusehen und zuhören. Neben den Toiletten, in denen zwei Mädchen Bonsoir und Bonne soirée wünschen, stehen englischsprechende Frauen. Sie tragen weite Leinenkleider und gestickte Schals und reden über die Filmsprache von Francis Coppola. Ich mag sie. Ich mag den Ort, das Festival, das entspannter nicht vonstatten gehen könnte, ich mag es, dass während der Filmvorführung der Film reißt und alle anwesenden Mitarbeiter des Festivals zum Filmvorführer laufen. Nicht rennen, on a du temps. Während wir warten, werden Fotos gemacht. Und danach gibt es einen vin rouge. Ich mag das, ich könnte mich reinlegen in diese Atmosphäre, zwischen diese Menschen, denen man ansieht, dass sie Filme ernst nehmen, dass sie Denker sind und Diskutierer. Am Ende verpasse ich den Bus und laufe über Trottoirs, die zu Wiesen werden. Aber das ist ja auch schon sehr filmisch.

Note olfactive

14/10/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Wohnheimabend – quasi-olfaktorische Notizen und sowas wie eine Zusammenfassung.

Im Eingangsfoyer geht gegen 21h30 der Alarm los, der Nachtwächter verlässt seinen Platz hinter der Sekretariats-Scheibe, geht – etwas leicht gebückt, als verberge er den Ansatz eines Hexenbuckels – durch eine Tür, kommt zurück und setzt sich wieder auf seinen Platz hinter der Sekretariats-Scheibe. Der Alarm ist noch immer an. Im Foyer befinden sich acht weitere Menschen. Zwei halten sich die Ohren zu, die restlichen sechs lehnen sich über die Sekretariatstheke, um mit dem Nachtwächter die Zeit zu vertreiben oder fragen sich gegenseitig nach Zigaretten oder Feuer. Ich bin kurz unsicher, ob ich meine nasse Wäsche nun in den Trockner stecken oder lieber mit den Klamotten abhauen soll. Dann denke ich mir: Es kommt, wie’s kommt und schalte den Trockner ein.

Jemand hat etwas mit viel Ziegenkäse zubereitet und davor, dabei oder danach seine Schuhe ausgezogen – der Geruch zieht durch den Gang in meinem Stockwerk.

Meine Zimmernachbarin mag offensichtlich Kerzen, die nach Wohnungsbrand riechen.

Später packe ich meine Wäsche. Die Raucher stehen jetzt vor der Tür, der Nachtwächter hat keinen Besuch mehr. Die Wäsche ist warm. Das war’s.

[Und in den nächsten Tagen: DIE Partylocation-Wo-steppen-die-Franzosen-in-Amiens-Zusammenfassung vom Wochenende]

Wo bin ich?

Du durchsuchst momentan die Kategorie die Menschen/les gens auf und danach.