Le petit froussard*

06/09/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe ein Problem, denn ich habe Gepäck. Das Gepäck besteht aus mehreren Koffern und Kisten, die ich trage, weil sie sonst rumstehen würden und das will ich nicht. Ich trage sie auch, weil ich denke, dass ich sie tragen muss. Für die Allgemeinheit, für meine corporate identity, für was weiß ich.

Hier sieht man vor lauter Skulpturen die Kunst nicht mehr. Subtile Text-Bild-Schere. Musée de Picardie. Foto von mir.

Hier sieht man vor lauter Skulpturen die Kunst nicht mehr. Subtile Text-Bild-Schere. Musée de Picardie. Foto von mir.

 

Dass in den Koffern nichts drin ist, das habe ich gestern bemerkt. Da schleppe ich seit Jahren einen französischen Wortschatz und irgendein raison d’être mit mir herum, nur um erkennen zu müssen, dass der Inhalt meines Koffers schlichte Einbildung war. Wie wild hab ich nach den Wörtern gesucht, nach Redewendungen und Betonungen. Am Ende blieb ich und die leeren Koffer am Boden. Rundherum standen diese jungen Menschen, diese anderen, die jede Sprache sprechen können, die sie sprechen möchten. Einfach, weil sie Lust dazu haben oder weil sie heimlich lernen oder sagen, sie würden lernen und dann lernen sie wirklich oder weil Sprache Arbeit ist und keine Koffer.

Die Metapher mit den Koffern und dem ganzen Kram ist jetzt btw auch nicht sehr neu. Repräsentativ finde ich in meiner Situation vor allem den Sprachabschneider.

Lady Godiva in Amiens. Davor sitzen, macht Fotografen unruhig. Schnappschuss von mir.

Lady Godiva in Amiens. Davor sitzen, macht Fotografen unruhig. Schnappschuss von mir.

Als der Fotograf, der direkt nach der Mittagspause den grande salle im Musée de Picardie in Beschlag nahm, auf mich zukam und mir mitzuteilen versuchte, dass ich ihm sein Foto versaue, weil ich im Bild sitzen würde, nämlich im Bild der Lady Godiva von Jules Lefebvre, da klang das Französische wie eine Melodie, die keine Höhen und Tiefen kennt, die in mir auch einfach nichts auslöste. Nur der Gedanke, ich sei vielleicht franko-taub. Ich schaute ihn an. Er sagte Sorry und I’m photographer.

*Der kleine Angsthase – Eigenübersetzung

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Il n’y a pas de problème

28/08/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

In der Ecke meines Büros liegt ein hässlicher Haufen aus Kleidung, losem Papier und Tampons. Um den Koffer fallen die Dinge.  Hüte und Schals, Kochbücher und Sommerkleider, die ich nicht brauchen werde, denn in Frankreich wird es Winter für mich, deswegen habe ich sie auf meinen Vielleicht-Stapeln verteilt: Vielleicht wird es in Amiens ja gar nicht so kalt – Vielleicht hätte ich mir mal lieber gefütterte Gummistiefel kaufen sollen.  Daneben vereinzelt Löffel und Küchenmesser, eine Müslischale und eine McCafé-Kaffeetasse (Mocha Rocka). Tatsächlich sorge ich mich um mein häusliches Wohl.

Kofferpacken mit Frankreich-Bezug. Foto von mir.

Kofferpacken mit Frankreich-Bezug. Foto von mir.

Nach allem, was ich in diversen Erasmus-Berichten gelesen habe, halte ich Armeegeschirr für den Aufenthalt in einem französischen Studentenwohnheim derzeit für vorteilhaft. Einen Seesack habe ich schon. 90 Liter und schwarz, mein Kopf passt hinein, meine Schultern auch. Eigentlich geht er mir bis zum Dekolleté. Wenn da meine Daunenbettdecke hineinpassen würde, wäre das formidable.

Ich bin jetzt in einem Alter, da reicht der Schlafsack nicht mehr aus, da misst man in Gedanken 9 Quadratmeter aus, kann sich aber dann doch nur sein 16 Quadratmeter Arbeitszimmer (das man mit dem Freund, einer Arecapalme und IKEA-Regalen teilt) vorstellen und versucht dann darin ein Schrankbett mit Duschklo und sich selbst zu platzieren.

Die Enge üben, das wollte ich noch.

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